1976-1980

1976

Das Jahr 1976 beginnt am Samstag, den 5.Januar mit einem Orkan, der an der Küste und in Hamburg die sogenannte "Flut-Katastrophe" auslöst. Weil der Flugplatz Itzehoe Hungriger  Wolf damals noch ein öffentlicher Verkehrs-Landeplatz ist, muß die Luftaufsicht auch bei solchem Sturm besetzt sein. Als "Wochenend-Flugleiter" Rolf Struve auf dem Flugplatz merkt, daß sich das Dach über dem Clubraum bei jeder Orkan-Boe anhebt, ruft er "in seiner Not" Rudi Biel in Itzehoe an, der sofort mit großen Schraubzwingen angefahren kommt. Die Schraubzwingen werden gemeinsam auf dem Dach liegend angebracht, um das Dach vor dem Wegfliegen zu bewahren.

Weitere Schäden sind lediglich wieder einige umgestürzte Bäume neben den Vereins-Gebäuden und der damals noch obligatorische Stromausfall bei Sturm, bedingt durch die oberirdische Stromzuführung, die erst einige Jahre später sturmsicher verspannt wird.

Auf der Jahreshauptversammlung wird Hermann Huß als 2.Vorsitzender in geheimer Wahl wiedergewählt (Die im vergangenen Jahr geänderte Satzung schreibt bei der Wahl von Mitgliedern des  "Geschäftsführenden Vorstandes" jetzt immer eine geheime Wahl vor).  Da bis zur Versammlung kein Antrag auf Neuwahl bzw. Bestätigung des I.Vorsitzenden eingegangen ist, bleibt Rolf Struve im Amt des 1  .Vorsitzenden, welches er 1975 zunächst nur für ein Jahr übernommen hatte.

Die Kunstflug-Ausbildung mit der vereinseigenen Cessna C-150 Aerobat erfolgt für sieben interessierte Piloten des Vereins am Flugplatz durch den Fluglehrer Bruno Hoffmann. Bei einigen Mitgliedern findet die Benutzung der vereinseigenen Maschine keine Zustimmung. Harald (Harry) Greger und Hermann  Huß setzen die Schulung  auf Ihren eigenen kunstflugtauglichen Maschinen Stampe SV 4C bzw. Zlin 526 fort und legen damit auch die Kunstflug-Prüfung ab.

Ein "Gemeinschaftsflug" führt auch in diesem Jahr nach Norwich zu den Freunden vom Flieger-Club "Felthorpe Flying Group". Per Flugzeug geht es zur Flugschau nach  Seething.

Im Nov.76 schreibt das Ministerium aus Kiel, daß der bisherige Ausbildungsleiter im Motorflug, Ernst Nebendahl, Hartenholm, zeitlich nicht mehr dazu in der Lage ist und Rolf Struve als  Nachfolger vorschlägt. Dies wird vom Verein beantragt und vom Ministerium genehmigt.

1977

Auf der Jahreshauptversammlung werden Rolf Struve (I. Vorsitzender) und Rolf Schröder (I.Schatzmeister) für ihre Ämter wiedergewählt. Ebenso Wiederwahl von Helmut Haselau als  Segelflug-Referent und Rolf Struve als Motorflug-Referent.

Im Januar 77 erhält der Verein vom Bundesministerium einen geänderten Vertragstext für den Mitbenutzungsvertrag. Der Verein ist aber nicht bereit, diesen Vertrag zu unterschreiben, da von der angekündigten Aufhebung der Beschränkungen kaum etwas zu merken ist. Auch die Herren des Ministerium für Wirtschaft und Verkehr in Kiel sind enttäuscht und man schreibt deshalb das Verteidigungsministerium an.

In einer Antwort teilt das Verteidigungsministerium mit, daß man die Einwände überprüft hat, daß aber auf dem Flugplatz demnächst Panzerabwehr-Hubschrauber stationiert  würden, die erhöhte militärische Sicherheit verlangen und für die auch möglicherweise das Pachtgelände des Vereins benötigt würde! (Bis jetzt hatte der Verein sich ja hauptsächlich um die Interesse fremder Piloten  bemüht, die den Platz anfliegen wollten, doch jetzt war plötzlich das eigene Dasein des Vereins am Platz gefährdet!)

Die geplante neue Halle der Bundeswehr könnte an einer Position gebaut werden, die es den Flugzeugen des Vereins unmöglich machen würde, zu den Startbahnen zu gelangen.  Wegen all dieser Schwierigkeiten schlägt das Verteidigungsministerium vor, ein Gelände außerhalb des Platzes zu suchen und nur die Startbahnen zu benutzen. Da eine volle Nutzung des Platzes dann aber trotzdem noch  fraglich wäre, würde es kaum finanzielle Unterstützung vom Land geben!

Die Genehmigung zum Bau der geplanten Flugzeughalle neben der großen Halle kann von der Bundeswehr nicht in Aussicht gestellt werden, da das geplante Gelände möglicherweise für Bundeswehrzwecke in Anspruch genommen werden soll, wie auch das bisherige Pachtgelände des Vereins. Damit erübrigt sich somit das Abholzen der Bäume für die Halle, aber auch der Bäume, die die Sicht zur Startbahn  behindern!

Bei einer internen Besprechung vom Vorstand und einigen Mitgliedern über die weitere Mitbenutzung werden die Probleme und ihre mögliche Lösung diskutiert. Grundsätzlich geht es primär um das Verbleiben am Platz, und zwar des ganzen Vereins, sowohl der Motorflieger und der Segelflieger. Müßte der Verein den Flugplatz verlassen, käme nur eine Umsiedlung zu einem anderen Flugplatz (Rendsburg) oder der Bau eines ganz neuen Flugplatzes in Frage, um weiterfliegen zu können. Es wird unter Wahrung großer Vertraulichkeit nach geeignetem Gelände im Kreisgebiet Ausschau gehalten. Hier bemüht sich mit großem Engagement insbesondere Peter Nawothnig, aber auch Horst Adolff. Lagepläne mit möglichen Startbahnen und Gebäuden werden auch schon angefertigt.

Alle Vereinsmitglieder sind tief erschüttert, als der Clubkamerad Harry Greger am 23.Juli 77 bei Kunstflug-Vorführungen auf dem Flugplatz Heide-Büsum tödlich verunglückt. Mehrere Vereinsmitglieder, die nach Büsum geflogen waren, werden Zeuge des Unfalls.

Am 6. / 7.August 77 findet mit Unterstützung der Bundeswehr ein "Fly-ln" des Vereins am Platz statt. 86 auswärtige Flieger nutzen die Gelegenheit, den Flugplatz Hungriger Wolf  wie früher ohne Genehmigung anfliegen zu können.

Am 10.Sept 77 wird die "Landesmeisterschaft für Motorflieger" am Hungrigen Wolf ausgerichtet. Rolf Struve hatte als Wettbewerbsleiter und Motorflug-Referent des Landesverbandes vom Kommandeur des Heeresfliegerbataillons 6 die Erlaubnis erhalten, diesen Wettbewerb hier am Flugplatz durchführen zu können. Wegen einer plötzlichen Wetterverschlechterung muß die Meisterschaft während des  Wettbewerbs abgebrochen und neutralisiert werden! Die Flugzeuge landen wieder in Itzehoe oder auf anderen Flugplätzen. Abends gibt es in der Segelflieger-Halle mit großer Beteiligung ein Spanferkel-Essen, auf dem das bisher schon auf vielen Rundschreiben, Plakaten, Aufklebern und Einladungen abgebildete Vereins-Emblem, oft genannt der "Vereins-Geier", jetzt in einem "Namenswettbewerb" seinen Namen "Flunki" erhält.

Da Dolly Sohn die Betreuung des Vereins-Clubraumes abgegeben hat, wird diese vorerst von einer "Kantinen-Crew" aus überwiegend weiblichen Vereinsmitgliedern unter der  organisatorischen Leitung von Olly Nawothnig übernommen; später nach Versammlungsbeschluß durch einen "Kantinen-Dienst" für jedes aktive Vereinsmitglied.

1978

Auf der Jahreshauptversammlung wird Hermann Huß als 2. Vorsitzender wiedergewählt. Es wird beschlossen, den Segelflug-Referenten als 4.Mitglied neben dem 1. und 2. Vorsitzendem und dem 1. Schatzmeister in den geschäftsführenden Vorstand aufzunehmen. Als Segelflug-Referent wird Helmut Haselau wiedergewählt. Ebenso Rudi Biel als 1. Schriftführer und Modellflug-Referent, Olly Nawothnig als  2.Schatzmeister und Hasso Gramm als 3.Schatzmeister. Werner Stöven schlägt vor, das Amt des Jugendleiters auf seinen Sohn Carsten zu übertragen, der daraufhin auch von der Versammlung gewählt wird.

Nur noch sechs Jugendliche sind bei den Segelfliegern. Ein möglicher Grund ist das Fehlen eines zweiten Fluglehrers neben Heinz Kipke. Wenn Wolfgang Mazoch seine Ausbildung zum Segetflug-Lehrer abgeschlossen hat, dürfte dieser Ausbildungs- Engpaß behoben sein.

Im Februar und im März 78 finden beim Landrat des Kreises Steinburg Gespräche über die zivile Nutzung des  Flugplatzes  statt . Daran beteiligt sind außer Vorstandsmitgliedern des Vereins auch der Kommandeur des Heeresfliegerbataillons 6. Der Landrat verspricht auch Unterstützung, ist primär aber nur am gewerblichen Luftverkehr und der Geschäfts-Fliegerei interessiert. Der Kommandeur meint, daß bei dem geplanten Umfang des militärischen Flugbetriebes ohnehin kein ziviler Flugbetrieb mehr möglich wäre und der Verein auch deshalb den Platz räumen müßte!